TT: Die Innsbrucker Stadtbibliothek schlägt neue Seiten auf

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TT: Die Innsbrucker Stadtbibliothek schlägt neue Seiten auf

Baustart war im April 2016, gestern öffnete das neue „Reich der Bücher“ nun seine Pforten. Der Medienbestand soll bis 2023 auf 150.000 Werke steigen. Die Stadtführung steht zu der heiß umstrittenen Millioneninvestition.

Freitag, 9.50 Uhr, wenige Minuten vor der offiziellen Eröffnung der neuen Innsbrucker Stadtbibliothek im „P2“ in der Amraser Straße: Vor den elektrischen Schiebetüren drängen sich bereits etliche Besucher. Unter ihnen ist Andrea Falch, „begeisterte Leserin“, speziell von Krimis, und langjährige Nutzerin der Stadtbücherei in der Colingasse: „Ich bin gespannt auf die neuen Räume, am alten Standort war es doch sehr beengt“, meint sie. Manfred Fluch, ebenfalls aus Innsbruck, sucht vor allem Reiseliteratur und Kinderbücher – für ihn dürfte die eigene Kinderbibliothek im ersten Stock besonders interessant sein.

Als sich um 10 Uhr die Türen öffnen, werden die ersten Besucher vom versammelten Bibliothekspersonal mit Applaus begrüßt, ehe Kulturstadträtin Uschi Schwarzl (Grüne) die Bibliothek mit den Worten „Auf die Plätze, Bücher, los!“ freigibt.

„Das sieht hier wirklich nach einem gemütlichen Wohnzimmer aus“, meint Ruth Leska, die unter Blitzlichtgewitter die symbolische erste Ausleihe vornimmt. Als großer „Bibliotheksfan“ hofft sie auf ein „neues attraktives Angebot“ und einen erweiterten Medienbestand, speziell bei zweisprachigen Büchern.

Für Bibliotheksleiterin Christina Krenmayr ist der größte Vorzug der neuen Bibliothek „2300 m2 mehr Platz als bisher“, wie sie lachend erklärt, insgesamt sind es nun ca. 3000 m² Nutzfläche. Zudem sei der Standort an einer zentralen Verkehrsader ein „Geschenk“: „Wir sind nun viel sichtbarer und damit im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen.“ Der Medienbestand soll von derzeit 55.000 Werken kontinuierlich auf 150.000 gesteigert werden. Die künftigen Erweiterungsflächen werden vorerst, auf sieben Jahre, vom Mozarteum (bildnerischer Zweig) genützt. Erweitert werden auch die Öffnungszeiten der Bibliothek (Mo. 14 bis 19 Uhr, Di. 10 bis 19 Uhr, Sa. 10 bis 17 Uhr), das Bibliotheksteam verdreifacht sich fast – auf 22 Köpfe.

Die öffentliche Diskussion wurde zuletzt von der Kostenfrage geprägt: Die Stadttochter IIG (Innsbrucker Immobilien GmbH) hat den Ankauf der Räume um ca. 19,1 Mio. Euro getätigt, dafür muss die Stadt der IIG in den kommenden 25 Jahren über 91.000 Euro monatlich überweisen (inkl. Heiz- und Betriebskosten). Eine Summe, die für heftige Diskussionen sorgte und sorgt.

Von „Miete“ will IIG-Geschäftsführer Franz Danler dabei nicht sprechen, vielmehr würden so die Annuitäten des Darlehens beglichen. Und: „Die Stadt schafft damit Eigentum und beständigen Wert, es ist also auch eine Investition in Vermögen.“

Die kritische Diskussion über die Kosten sei natürlich zulässig, sagt StR Schwarzl. „Als Kulturreferentin, die heute die Freude hat, das vollbrachte Werk eröffnen zu dürfen, sehe ich die Bibliothek aber als ganz wesentliche Infrastruktur für die Zukunft, für Kultur, Bildung, Soziales und Stadtentwicklung. Jeder, der hier hereinkommt, um zu lesen, zu arbeiten, zu chillen, wird überzeugt sein, dass es die richtige Investition war.“

Vize-BM Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck), in deren Bürgermeister-Ära die Beschlüsse fallen, sprach gestern von einem „großen sozialen Impulspaket“, das „auch künftigen Generationen kostenlosen Zugang zu Bildung und Kultur ermöglichen wird“.

Der Veranstaltungssaal im ersten Stock – in dem eigentlich das inzwischen gecancelte Stadtmodell geplant war – wird künftig für Eigenveranstaltungen der Bibliothek und der Stadt sowie für Präsentationen der Stadtplanung genützt, aber auch fremdvermietet. Die Vermietung erfolge durch IIG und Bibliothek, so Danler, ein Konzept werde derzeit erstellt. Bibliotheksleiterin Krenmayr setzt stark auf Kooperationen mit Kultur- und Bildungseinrichtungen.

Von Michael Domanig

Erschienen in der Tiroler Tageszeitung vom 10.11.2018

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